Stefan Grissemann zu Constantin Wulffs “In die Welt”
Nichts macht die Fragilität des Menschenlebens augenfälliger als der Anblick Neugeborener. Insofern startet der Film „In die Welt“, in aller Ruhe zwar, mit einem alarmierenden Bild: mit der Ansicht eines keuchenden Säuglings im Brutkasten. Ein Baby hinter Plexiglas, doppelt abgeschirmt in der Intensivstation einer Wiener Frauenklinik: Das ist die innerste Zelle der Welt, von der diese Arbeit berichtet. Der Film, die Studie einer Institution, zeigt Alltägliches, zugleich Existenzielles: eine Expedition durch Schwesternzimmer und Geburtsstationen, durch Anmelde-, Warte- und Untersuchungsräume.
Im guten Wissen, dass er nicht der Erste ist, der an einem solchen Ort dreht, verweigert Regisseur Constantin Wulff Fernsehkonventionen: Er liefert keine rund erzählten Porträts werdender Mütter, keine „Was-wurde-aus“-Geschichten, keine der klassischen human interest stories, die sich gleichsam automatisch an das Thema zu binden scheinen. „In die Welt“ führt anderes vor: knappe, hervorgehobene Episoden von der Verwaltung der Klinik und den Erlebnissen anonymer Schwangerer in den Mühlen der medizinischen Verwaltung, der sie sich anvertraut haben. Ein Werk der Betulichkeit wird man diesen Film nicht nennen können: Wulff thematisiert, ganz sachlich, auch den massiven Schmerz des Geburtsvorgangs, jenes atavistischen physischen Akts, der hier anhand dreier Beispiele in einer fein kalibrierten Mischung aus Diskretion und explizitem Blick dargestellt wird.
„In die Welt“ ist Direct Cinema im Wortsinn: direktes, mitreißendes Kino – ohne den Einsatz lenkender Musik oder intervenierender Filmemacher. Wulff zeichnet, begleitet von der reaktionsfähigen Kamera Johannes Hammels, ein ebenso vielfältiges wie unsentimentales Bild von den Möglichkeiten und Komplikationen des Entbindens in einem dafür vorgesehenen Betrieb: das Wunder Mensch als institutionelles Routineprodukt.
Stefan Grissemann
Nichts macht die Fragilität des Menschenlebens augenfälliger als der Anblick Neugeborener. Insofern startet der Film „In die Welt“, in aller Ruhe zwar, mit einem alarmierenden Bild: mit der Ansicht eines keuchenden Säuglings im Brutkasten. Ein Baby hinter Plexiglas, doppelt abgeschirmt in der Intensivstation einer Wiener Frauenklinik: Das ist die innerste Zelle der Welt, von der diese Arbeit berichtet. Der Film, die Studie einer Institution, zeigt Alltägliches, zugleich Existenzielles: eine Expedition durch Schwesternzimmer und Geburtsstationen, durch Anmelde-, Warte- und Untersuchungsräume.
Im guten Wissen, dass er nicht der Erste ist, der an einem solchen Ort dreht, verweigert Regisseur Constantin Wulff Fernsehkonventionen: Er liefert keine rund erzählten Porträts werdender Mütter, keine „Was-wurde-aus“-Geschichten, keine der klassischen human interest stories, die sich gleichsam automatisch an das Thema zu binden scheinen. „In die Welt“ führt anderes vor: knappe, hervorgehobene Episoden von der Verwaltung der Klinik und den Erlebnissen anonymer Schwangerer in den Mühlen der medizinischen Verwaltung, der sie sich anvertraut haben. Ein Werk der Betulichkeit wird man diesen Film nicht nennen können: Wulff thematisiert, ganz sachlich, auch den massiven Schmerz des Geburtsvorgangs, jenes atavistischen physischen Akts, der hier anhand dreier Beispiele in einer fein kalibrierten Mischung aus Diskretion und explizitem Blick dargestellt wird.
„In die Welt“ ist Direct Cinema im Wortsinn: direktes, mitreißendes Kino – ohne den Einsatz lenkender Musik oder intervenierender Filmemacher. Wulff zeichnet, begleitet von der reaktionsfähigen Kamera Johannes Hammels, ein ebenso vielfältiges wie unsentimentales Bild von den Möglichkeiten und Komplikationen des Entbindens in einem dafür vorgesehenen Betrieb: das Wunder Mensch als institutionelles Routineprodukt.
Stefan Grissemann